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| Eigenartig.
Das stereotype Bild vom "wilden Urmenschen" hinterlässt
befremdliche Vorstellungen von dem, was wir waren und was wir gegenwärtig
sind. Es wohnt ein scheinbar grenzenloses Potenzial in unserer Art. Sprache,
Kultur, Technik, Kunst, Erforschung, Emotionalität,... Das Spektrum
unserer Eigenarten und Fähigkeiten ist phänomenal. Was wir letzten
Endes daraus machen, was wir mit und durch unseren Willen zu schaffen
vermögen, wird nicht zuletzt begründet durch unser eigenes Bemühen. Wie auch immer wir Gegenwart und Zukunft gestalten, wie auch immer unsere Gesellschaftssysteme aussehen werden, wie auch immer wir mit uns und mit anderen Lebewesen, die nicht von unserer Art sind, umgehen, alles das sind Konstellationen eines im Fluss befindlichen innerlichen Strebens. Ein Streben wonach? Im Regelfall lebt das menschliche Wesen nach eigenen inneren Vorstellungen und nach deren Verwirklichung. Dies wiederum ist gebunden an Freiheiten und Zwänge. Das Zusammenspiel von Vorstellungen, Freiheiten und Zwängen formt unsere Empfindung von dem, was wir angeblich wollen. Der Wille ist eine Idee, die sich durch sich selbst manifestiert. Der von uns empfundene Wille übt direkt oder indirekt Einfluss auf unsere Handlungen aus. Unser Bestreben liegt unter anderem darin, selbst Einfluss nehmen zu wollen auf das, was durch uns beeinflusst werden kann oder was [unserem Willen nach] durch uns beeinflusst werden soll. Diese Art des Strebens ist ein intensiv ausgeprägter, innewohnender Drang unserer Spezies. Darin liegen sowohl enorme Kräfte als auch allergrößte Gefahren für uns selbst und für andere. Diesem "Drang zur gewollten Beeinflussung des Beeinflussbaren" folgt selbst ein weiterer Drang nach Beeinflussung: die Moral. Moral ist quasi eine wechselwirkende Beeinflussung der Beeinflussung. Moral ist eine Rückkopplung; ein rückgekoppeltes Streben. Moral mit all ihren Vorschriften, Verwirrungen und Tabus ist eine rationale als auch irrationale Dämpfung für den menschlichen Drang zur Verwirklichung seiner Vorstellungen. Und wie es dem primären Drang der Beeinflussung ergeht, so ergeht es auch der Moral: es liegen darin enorme Kräfte sowie allergrößte Gefahren für uns selbst und für andere. Was wäre der Mensch ohne moralische Vorstellungen? |
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